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Die wendige Ratte

18.2.1912-5.2.1913
5.2.1924-23.1.1925
24.1.1936-10.2.1937
28.1.1960-14.2.1961
15.2.1972-2.2.1973
1.2.1984-18.2.1985
18.2.1996-6.2.1997

Man muss es ihnen lassen: Ratten haben Köpfchen! Was andere mit roher Gewalt zu erreichen suchen, gelingt ihnen mit listiger Schläue. Ihre Angriffslust ist kaum zu bändigen, wenn es gilt, einen Nebenbuhler aus dem Rennen zu werfen. Vorgesetzte schätzen sie als zuverlässige und strebsame Mitarbeiter, Partner als charmante und elegante Gespielen.
Untergebene werden sie nicht immer verstehen, denn ihr Wahlspruch heißt: alles oder nichts! Und von daher kommen die Enttäuschungen; manche Ratte kann eben Gewonnenes leichtsinnig wieder aufs Spiel setzen, ohne Rücksicht auf Verluste, um dann zu erkennen: wie gewonnen, so zerronnen. Aber sie wird sich immer von Neuem fangen — ihr Ziel ist der Profit, des Lebens beste Seite. Klar, dass ihre Berufswege zu Erfolgen führen müssen, als königlicher Kaufmann oder als rücksichtsloser Wucherer. Als Politiker führen sie das große Wort. Ihre Versprechungen sind ernst gemeint, aber sie werden auch mit lächelnder Miene das Gegenteil von dem sagen können, was sie eben noch als erstrebenswert gelobt haben. Ratten haben oft künstlerische Hobbys, die sie sehr schnell in klingende Münze verwandeln können, wenn sie erst erkannt haben, was alles daraus zu machen ist. Denn Geld ist den Ratten wichtig.

Aber man sollte Unterschiede bei den Ratten machen - die im Sommer Geborenen sind anders als die im Winter zur Welt Gekommenen. Und das ist durchaus logisch. Die sommerlichen Ratten finden Nahrung im Überfluss, sie können aus dem Vollen schöpfen. Das macht sie liebenswerter; trotz aller Aggressivität bleiben sie verbindlich, becircen durch ihren Charme die Umwelt. Sommer-Ratten sind noch ehrgeiziger als ihre winterlichen Genossen, sie können mit lächelndem Gesicht die größten Unverschämtheiten sagen und mit Vehemenz die Ellenbogen benutzen, um einen Konkurrenten aus dem Wege zu schubsen.

Die Angriffslust der Winter-Ratten gründet in der ständigen Angst ums tägliche Brot. Weibliche Angehörige dieses Tierzeichens legen Vorräte an, die über Jahre reichen, und es macht ihnen nichts aus, wenn vieles Schimmel ansetzt und verdirbt — man wirft es weg und füllt von neuem auf. Man sagt, Winter-Ratten neigten zur Völlerei, und von daher sei ihre Gesundheit gefährdet. Doch mit der Gesundheit macht's die Ratte wie mit dem Gelde: Wenn sie im tiefsten Sumpf zu versinken droht, zieht sie sich am eigenen Schöpfe wieder heraus, eine Eigentümlichkeit, die auch auf im Sommerhalbjahr geborene Ratten zutrifft, nur dass diese nicht ganz so widerstandsfähig sind wie ihre winterlichen Schwestern.
Viele Ratten werden vom Leben verwöhnt. Dann lieben sie den Luxus, leider oft auch Völlerei und ausschweifendes Leben. Das bedeutet nicht nur Gefahr für die Gesundheit, sondern trübt auch den Blick. Gar manche Ratte umgab sich im Wohlstand mit falschen Freunden, die nur daraufwarten, ihr eins aufs Haupt zu schlagen. Wird die Ratte so enttäuscht, zieht sie sich in ihr Loch zurück, misstrauisch gegen jeden und unzufrieden mit sich selbst. Manche Ratten-Pleiten sind auf mangelnde Menschenkenntnis zurückzuführen: Man schenkte Vertrauen und wurde betrogen.

Auch in der Liebe geht die Ratte aufs Ganze. Und eigentlich erreicht sie ihr Ziel immer, auch wenn der angepeilte Partner zunächst gar nicht so sehr interessiert schien. Das macht der Charme der Ratten-Männer, die Eleganz der hübschen Ratten-Mädchen. Die Ratten-Frau heiratet im Gegensatz zum Ratten-Mann meist schon sehr früh. Sie ist leidenschaftlich und will den Geliebten am liebsten nur für sich. Argwöhnisch beißt sie vermeintliche Nebenbuhlerinnen aus dem Felde. Spielt der Mann das Liebesspiel zu zweit mit, hat er den Himmel auf Erden, aber wrehe, wenn er fremd geht! Dann lernt er den Vulkan kennen, der ihn mit lodernder Lava überschütten wird. Besser er kriecht sofort zu Kreuz oder sucht das Weite. Der Ratten-Mann bindet sich nicht gar so schnell. Er will erst an dieser oder jener Blume riechen, bevor er die schönste von allen in die Vase stellt. Er schindet bei den heiratswilligen Mädchen Eindruck durch seine Großzügigkeit, durch seinen äußeren Schein, durch seinen Sex-Appeal. Seiner Liebsten kann er alles geben, Gold und Silber, vielleicht auch einen Nerz, aber vor allem verschenkt er sein Herz. In der Ehe sind Ratten häuslich; man könnte sie für Spießbürger halten, für Heimchen am Herde, wenn nicht ihr unbändiger Wille nach Geld und allem Glück der Welt da wäre, der sie unruhig macht. Denn bei aller Liebe zum Partner und zum eigenen Ich bleibt der Profit der Ratten Lebensziel.