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Der angriffslustige Tiger
26.1.1914- 13.2.1915 12.2.1926- 1.2.1927 31.1.1938- 18.2.1939 16.2.1950-5.2.1951 5.2.1962-24.1.1963 23.1.1974- 10.2.1975 9.2.1986-28.1.1987 28.1.1998- 15.2.1999
Den Tiger streichelt man nicht, sagen die Chinesen. Man achtet ihn, man sieht zu ihm auf. Und schon fängt der Wilde an zu schnurren. So harmlos sind die Tiger nicht. Sie gehen auf die Jagd nach lockenden Zielen, meiden keinen Streit- Kampf ist ihr Lebenselixier. Tiger sind verwegen, sie schauen weder nach rechts noch links, wenn sie die Beute wittern. Das macht sie für einen Flankenangriff verwundbar.

In Tiger-Jahren Geborene streben geradewegs nach oben. Sie wollen bewundert werden. Aber es ist nicht ihre Tüchtigkeit, ihr geistiges Format, das ihrer Mitmenschen Bewunderung erheischt, es ist die Persönlichkeit, ihr herrisches Auftreten, das sie zum Führer stempelt. Revolutionären Ideen gegenüber sind sie eher aufgeschlossen als Leute aus anderen Tierzeichen. Wenn irgendwo Stunk gemacht werden muss, sind sie dabei. Ihre Autorität ringt selbst den Gegnern Anerkennung ab.

Mit Wagemut stürzen sich die Tiger in den Beruf. Das Leben eines Buchhalters wäre ihm zu eintönig, das einer Schneiderin ihr zu pingelig. Etwas Aufregung muss auch bei der Arbeit sein. Man will forschen, kämpfen, entwickeln. Ingenieure sind massenweise unter den Tigern (auch weibliche!), Rennfahrer und Soldaten, Unternehmer und angriffsfreudige Politiker, Bardamen und streitbare Verfechterinnen der Emanzipation. Halbes kennen die Tiger nicht, sie gehen stets aufs Ganze.
Die Bewunderung, die ihnen allenthalben entgegenschlägt, macht sie manchmal eitel. Das drückt sich bei den Damen in übertriebener Putzsucht aus, bei den Herren in süffisanter Arroganz. Die meisten Tiger jedoch wissen Bewunderung als Gottesgeschenk zu nehmen und danach zu handeln; sie sind vorbildliche Vorgesetzte, einmalige Kollegen. Der Beifall spornt sie zu neuen Taten an.

Es ist nicht unbedingt ein Fehler, dass der Tiger immer gegen irgend etwas ist. Das macht ihn in gewisser Beziehung sogar zum Weltverbesserer, denn Ungerechtigkeit zum Beispiel kann er auf den Tod nicht ausstehen. Er kämpft auch gegen die bösen Kapitalisten, aber es ist durchaus möglich, dass er im Kampf für soziale Gerechtigkeit selbst zum Kapitalisten wird. Das ist das Zwiespältige in der Nachtseele des Tigers.

Man muss den Tigern eine gehörige Portion Dickköpfigkeit bescheinigen. Das gilt auch für die Liebe. Tiger jagen ihr Wild solange, bis es erschöpft um Gnade fleht. Sie sind ausdauernd, können aber auch überzeugen. Nur verlieren sie oft den Spaß an der Sache. Tiger lieben den Wechsel - im Beruf, bei den Idealen, aber auch in der Liebe. Ist es da nicht verständlich, wenn viele in Tiger-Jahren Geborene den Scheidungsrichter aufsuchen? Sie versuchend danach noch einmal und bleiben trotzdem gut Freund mit dem Menschen, von dem man sich trennte.Tiger sind nicht nachtragend; und überdies wissen sie von dem Quentchen Schuld, das sie selbst stets auf sich laden.

SchickeTiger-Damen binden sich oft zu schnell; und dann wissen sie, dass Liebe unglücklich macht. Für Augenblicke nur — an der nächsten Ecke steht ja schon ein anderer, der ihnen noch mehr bieten könnte. Sie stolpern gewissermaßen von einem Liebesabenteuer in das nächste. Und die schönste Bindung geht kaputt, weil man immer wieder einen findet, der noch besser schien als der vorherige. Einige Tiger werden erst nach der Lebensmitte vernünftig, manche überhaupt nicht. Viele kuschen nach genügend Erfahrungen und lassen sich dann zähmen. Man gebe den Tigern, die man an sich bindet, nur ja ein wenig Auslauf, sonst brechen sie aus und verschwinden bei Nacht und Nebel. Was Ehepartner an ihren Tigern übrigens besonders lieben, ist deren Temperament, aber auch die Einfühlsamkeit, mit der sie auf alles eingehen, was dem anderen Kummer macht.

Bei den Tigern kommt es vor allem darauf an, zu welcher Tageszeit sie geboren wurden. Kinder der Nacht sind ausgeglichener und fröhlicher als ihre Schwestern und Brüder, die um die Mittagszeit das Licht der Welt erblickten.
Mittagskinder sind unruhiger, wirken gehetzter. Tiger-Kinder der Nacht wissen um ihre Macht; sie können sich ungesehen auf die Beute stürzen.

Tiger sind tapfere Gesellen, aber sie suchen auch ständig das Risiko. Und von daher droht ihnen Gefahr. Sie müssten sich dazu zwingen, ruhig zu überlegen, alles genau zu durchdenken, bevor sie zur Tat schreiten - aber welcher Tiger kann schon ruhig bleiben in dieser unruhigen Welt?