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Die charmante Ziege
31.1.1919-18.2.1920
17.2.1931-5.2.1932
4.2.1943-24.1.1944
24.1.1955-10.2.1956
9.2.1967-28.1.1968
28.1.1979-15.1.1980
14.2.1991-2.2.1992
3.2.2003-20.1.2004
Ziegen geben sich nach außen hin artig und liebenswürdig. Solange es ihnen gut geht, sind sie fröhlich und unbekümmert. Man muss sie aber hegen und pflegen, sonst könnte jener unglückselige Hang durchbrechen, der in der Nachtseele einer jeden Ziege nistet: Sie meckert so gern, kritisiert und mäkelt und ist mit nichts zufrieden. Bei vielen Ziegen bleibt dieser Hang ein Leben lang verkapselt. Dann sind sie die besten Partner, die goldigsten Ehgesponse, die anhänglichsten Mitarbeiter. Beweis für viele daher, wenn der Ziege Nachtseele zutage tritt, dass man sie nicht richtig behandelt hat, dass sie Grund hat, unzufrieden zu sein. Wie gesagt: man muss sie hegen und pflegen und ihr immer zur rechten Zeit das richtige Futter geben. Chefs von Ziegen wissen, was diese leisten, dass sie die Seele des Geschäfts sein könnten, ließe man sie nur in Kühe schaffen und wirken. Ziegen haben viel Durchstehvermögen, sie führen aus, was andere planen. Da gibt es nichts auszusetzen. Nur in der Verfolgung der eigenen Karriere bleiben sie meist stecken, weil sie sich manchmal zu wenig zutrauen und an dem Posten hängen, den man ihnen gegeben hat.

Ziegen werden darum nur in Ausnahmefallen Chefs. Am besten, sie suchen sich eine Stelle auf dem Lande oder bei den staatlichen Forsten. Als Beamte entwickeln sie viel Sitzfleisch, als Handwerker sind sie zuverlässig. Sie sitzen in Ingenieur- und Planungsbüros und überall dort, wo man Mitarbeiter braucht, die logisch denken und danach handeln können.
Ziegen sind künstlerisch begabt und neigen zur Schriftstellerei, wobei sie sich manches von der Seele schreiben können. Sie sind aber auch dort zu Hause, wo manche sie nicht gern sehen: als Hausfreund oder beste Freundin.
Schlechtester Zug der Ziegen ist, dass sie sich nur schwer entscheiden können. Sie zögern oft lang, und manchmal ist dann der Zug abgefahren, die Ziege bleibt allein auf dem Bahnsteig zurück.

So ist das auch in der Liebe. Ziegen sind sehr anschmiegsam, wenn sie einmal den gefunden zu haben glauben, den sie lieben könnten - ganz genau wissen Ziegen nämlich zunächst nichts! Sie versuchen es mit dem Geangelten, aber wenn sie feststellen, dass er ein müder Fisch ist, der sich nur in trüben Tümpeln wohlfühlt, nehmen sie ihn schnell vom Haken und werfen ihn dort hinein, wo er herkommt. Finden Ziegen aber das gepflegte Heim, nach dem sie sich von früh auf sehnten, werden sie aufblühen. Ein bisschen Garten sollte dabei sein oder ein großer Wald in der Nähe. Ziegen brauchen Auslauf ins Grüne — die ewig junge Natur ist ihr Element. Ziegen helfen gern, und ihr Rat ist geschätzt in allen Lebenslagen. Sie hängen nicht am Geld, aber sie wissen es zu schätzen, wenn es ihnen nur ein wenig Wohlstand sichert, ein Nest, in dem sie sich wohlfühlen, ihre Familie ein wenig verwöhnen können.

Ziegen-Frauen sind die besten Hausfrauen und Mütter. Sie werden die Haushaltskasse und das Bankkonto genauestens führen. Und sie werden ihrem Mann ein Schmuckkästchen als eigenes Heim bieten. Hierin stimmen Ziegen-Männer und Ziegen-Frauen überein: sie können sich oft verlieben, aber ihr Herz können sie eigentlich nur einmal verlieren — zu stark ist der Panzer, mit dem sie es umgeben. Es muss schon jemand Besonderes sein, der ihn durchbricht! Was der Herzenspartner der Ziegen braucht, ist viel Einfühlungsgabe. Ziegen sind leicht verletzbar, man muss sie in Watte packen, ihre Launen übersehen, ihre mangelhafte Entschlusskraft durch eigene schnelle Entschlüsse aufheben.
Ziegen lieben das eigene Heim, aber sie sind nie ganz zufrieden. Mit anderen nicht, aber auch nicht mit sich selbst. Sie sind von einem Augenblick auf den anderen in verschiedener Stimmung. Sind sie daheim, machen sie plötzlich dem Partner Vorwürfe, man käme ja überhaupt nicht mehr raus, nicht zum Tanzen, nicht ins Theater, nicht an den Stammtisch. Führt er sie aus, dann können sie ihm sagen, dass es zwar ganz schön ist, mal aus dem Hause zu kommen, aber daheim sei eben daheim.

Ihr Leben lang bleiben Ziegen Pessimisten, ihr Optimismus beschränkt sich auf vage Hoffnungen, auf den Lotto-Gewinn, auf ein noch schöneres Heim, als man es schon besitzt, auf viele Wenn und Aber.
Mut sollte man den Ziegen machen, Mut zu schnellerem Handeln, dann könnten sie sehr viel mehr erreichen. Ziegen sollten lernen, das Leben so zu nehmen, wie es wirklich ist, und nicht Träumen nachzuhängen, wie es sein könnte. Sie sollten weniger verschlossen sein, sondern ihr Herz auch mal öffnen. Aber das hieße wohl, gegen die eigene Natur zu handeln.