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Der gescheite Affe
19.2.1920-7.2.1921
6.2.1932-24.1.1933
25.1.1944-11.2.1945
11.2.1956-29.1.1957
29.1.1968-15.2.1969
16.2.1980-3.2.1981
3.2.1992-21.1.1993
21.1.2004-8.2.2005
Es gibt niemanden, der so viele Ideen hat wie der wendige Affe. Aber in seinem bewegten Leben bleibt ihm meist nicht die Zeit, alle auszuführen oder sich auch nur auf einzelne zu konzentrieren. Denn er ist sprunghaft und hält sich nie lange irgendwo auf. Man mag der Affen gesellige Art. Sie sind die besten Witzeerzähler und die fröhlichsten Partygänger. Aber hinter diesem so freundlichen Wesen stecken in Wirklichkeit oft rechte Menschenverächter, die nur sich lieben und sich jedem überlegen fühlen, auch wenn sie es gar nicht sind.

Affen sind gescheit, man macht ihnen so leicht nichts vor. Man sollte sich nicht in Streitgespräche mit ihnen einlassen —Affen werden gewinnen, weil sie nur dann streiten, wenn sie sich ihres Sieges gewiss sind.
Ihnen ist jedes Mittel recht, wenn nur ein Vorteil für sie selbst dabei herausschaut. Darum flunkern sie auch manchmal, wenn ihnen das eigene Wissen nicht mehr weiterhilft. Und wenn alle Stricke reißen, setzen sie auch mal faustdicke Lügen in die Welt. Affen nehmen's nicht so genau. Mancher hält sie für verschlagen, aber wenn er den Beweis antreten sollte für eine solche Behauptung, würde er ins Fettnäpfchen treten: Affen kann man nichts beweisen, sie reden sich heraus, und der Kläger ist schließlich der Dumme. Die Berufwahl wird Affen nie schwerfallen. Man findet sie überall dort, wo Überzeugungskraft nötig ist — als Verkäufer, Einzelhändler oder Zeitschriftenwerber. Als Politiker und Staatsmänner machen sie Geschichte, als Hochstapler und Heiratsschwindler Geschichten. In allen geistigen Berufen fühlen sie sich wohl und auf den Brettern, die die Welt bedeuten, wissen sie ebenso zu überzeugen.

Chefs schätzen weibliche wie männliche Affen als wahre Meister der Improvisation, als Leute, aus denen die Ideen nur so hervorsprudeln, die sich allerdings nie lange auf einem Gebiet oder an einem Platz wohlfühlen.
Durch Stellungswechsel sammeln sie Erfahrungen, um irgendwann ein eigenes Geschäft aufzumachen, das sie über Schulden groß anlegen werden, manchmal eine Nummer zu groß. Und dann macht der Affe pleite.
Schönster Zug an den Affen: sie verzagen nie. Immer wieder fallen sie auf die Beine und strampeln sich allmählich wieder hoch. Rückschläge kann niemand schneller verkraften als der wendige Affe. Affen sind selten familiär, und man könnte daraus schließen, dass sie in der Liebe nie das rechte Glück haben. Dem ist aber nicht so. Ihre quecksilbrige Art macht sie überall beliebt, und das andere Geschlecht fällt todsicher darauf herein. Man führt ein lustiges Leben mit den Affen, aber es ist ein wenig oberflächlich.

Feste Bindungen möchte der Affe nicht unbedingt schnell eingehen, ihm ist ein unverbindlicher Flirt lieber. Affen-Mann wie Affen-Frau drücken sich gern vor der Verantwortung, die eine Ehe nun einmal mit sich bringt.
Treue ist nicht die starke Seite der Affen. Sie springen lieber von Baum zu Baum und holen sich dort, wonach sie begehren. Aber man kann sie mit der Zeit sogar daran gewöhnen, treu zu sein. Aber das bedarf eines Umdenkprozesses, an dessen Ende der Affe in einem unsichtbaren Käfig gefangen scheint. Man sollte ihm die Meinung lassen, er habe ihn sich selbst gebaut. Affen-Väter und Affen-Mütter sind nicht gerade die fürsorglichsten. Trotzdem werden sie es den Kindern an nichts fehlen lassen. Kinder von in einem Affenjahr Geborenen werden freier erzogen als andere Kinder, und sie werden auch schneller flügge.

Affen verlieben sich oft, aber ihre Leidenschaft hält nie lange vor. So, wie sie im Beruf häufig wechseln, ist es auch in Sachen Sex. Man ist entflammt, glüht eine Zeitlang, und schließlich bleibt die Asche übrig. Verständlich, wenn Scheidungsrichter mit Affe-Geborenen viel zu tun haben. Affen sind nur gute Freunde, solange sie selbst von dem Wert der Freundschaft überzeugt sind. Sie zeigen sich ihrer Umwelt als lustige, jederzeit zu Spaßen aufgelegte Mitmenschen. Aber sie verbergen hinter ihrer Fröhlichkeit meist das eigene Ich, das nur sich selbst kennt. Man sollte nicht unbedingt alles, was Affen tun und sagen, ernst nehmen, sondern die Oberfläche erkennen, die vom Innersten ablenkt. Man setze keine moralischen Grundsätze, wenn man einem Affen zugetan ist, sondern mache sein Spiel mit. Das könnte ihn verwirren und dahin bringen, wohin man ihn haben will: nicht unbedingt auf den Pfad ewigerTugend, aber doch zu angenehmer Partnerschaft. Und man sollte mit dem Affen optimistisch sein, das Leben bis zur Neige kosten. Denn Affen lieben das Leben. Warum nicht auch ein fröhliches Dasein zu zweit?